Die Sucher

Eine Legende aus Litauen

„Auf meine Art suche auch ich wohl Gott oder das Gute und Rechte, oder was es nun sein mag, um was man sich’s sauer werden lässt.“ (Th. Mann)

„Vertraue dem Herrn und tue das Gute, bleibe im Land und bewahre die Treue.“ (Psalm 37, 3)

Ein Mann verließ seine Stadt, weil er Gott suchte. Nach drei Tagesreisen fand er den Aufenthalt Gottes, mitten im Walde. Begeistert und entzückt ging er in seine Stadt zurück. Dort warb er dafür dass man mit ihm gehe und einen Tempel baue an dem Ort wo er Gott gefunden hatte. Zwölf Frauen und Männer gingen mit ihm. Unterwegs kam ihnen an der anderen Seite des Weges ein einsamer Pilger entgegen der in Richtung der Stadt ging. Sie riefen zu ihm: “Kehr um und komm mit uns, wir haben Gott gefunden. Wir wissen wo Er wohnt!” Der Pilger aber grüsste karg und einsilbig und ging weiter. Als die Gottsucher an dem Ort ankamen, wo Gott gewohnt hatte, klopften sie an. Ein Engel öffnete die Tür. Als sie sich nach Gott erkundigten, antwortete der Engel: “Gott ist nicht mehr hier. Er hält sich nie länger als einen Tag am gleichen Ort auf. Er ist immer unterwegs, die Menschen zu suchen. Wenn ihr in eurer Stadt geblieben wäret, würdet ihr ihm begegnet sein. Ihr Menschen habt aber nicht die Geduld auf ihn zu warten und nicht die richtigen Augen ihn zu sehen.” Enttäuscht aber auch nachdenklich gingen sie in ihre Stadt zurück und dort erzählten sie, was ihnen widerfahren war. Nach vierzig Jahren verblasste die Erinnerung an diese Geschichte. Eines Tages verließ ein Mann die Stadt…

Das nächste Update ist am 29. Januar.

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